Interview von Beate Bölte mit Gerd Kersting

Interview von Beate Bölte mit Gerd Kersting dem Landesvorsitzenden der ÖDP in NRW Mit dem Listenplatz 6 bei der kommenden Landtagswahl:

Beate Bölte: Hallo Herr Kersting, vielen Dank, dass Sie für ein Interview bereit sind.
In den Medien, vorwiegend im Fernsehen sind ja diese Woche die etablierten Parteien noch einmal groß aufgelaufen – vor allem in den Sendungen von ARD, ZDF und dem WDR.
Allerdings war die Polarisierung auf SPD und CDU unverkennbar. Auch ist die ÖDP bisher bei diesen Veranstaltungen noch nicht eingeladen worden.
Interessant für viele Zuschauer war jüngst eine Sendung, in der die Spitzen-Vertreter von CDU, SPD, Grüne, FDP und Die Linke 6 gut ausgesuchte Fragen gestellt wurden.
Fragen, die offensichtlich für alle Wähler von großer Bedeutung sind.

Nun stellt sich für mich die Frage: Kann die ÖDP auf die dort gestellten Fragen ebenfalls antworten, und sind diese Antworten mehr als Rhetorik?


Gerd Kersting: Meiner Meinung nach hat die ÖDP inzwischen neben ihren Schwerpunkten Ökologie und Demokratie alle wichtigen politischen Felder besetzt. Ich will damit sagen, sie hat dazu nicht nur Visionen formuliert, sondern entsprechende Konzepte entwickelt, die es gilt gehört und umgesetzt zu werden.

Dann komm ich mal zu der ersten Frage der Fernsehsendung von vergangener Woche: Reicht das Nichtraucherschutzgesetz in NRW aus?
Gerd Kersting: Hier vertritt die ÖDP NRW eine konsequente Position. Das heißt für uns: Der derzeitige Nichtraucherschutz reicht bei weitem nicht aus. Passivraucher werden nach wie vor unzumutbar belästigt und in ihrer Gesundheit geschädigt.
Dazu gehört, dass der größere Teil der Bürgerinnen und Bürger in NRW Nichtraucher sind. Sie haben einen Anspruch darauf, vor den Gesundheitsgefahren des Passivrauchens geschützt zu werden. Dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, aber auch für erwachsene Gäste und Angestellte im Gastronomiebereich.
Deshalb fordern wir einen echten Nichtraucherschutz, also rauchfreie Gaststätten ohne gesetzliche Schlupflöcher und Ausnahmen.
Bereits im Dezember 2009 hat die bayerische ÖDP einen großen Erfolg erzielt: Rund 1,3 Millionen Menschen unterstützen dort das Volksbegehren „Für echten Nichtraucherschutz“.

Wollen Sie – d. h. die ÖDP – dass Kinder länger gemeinsam lernen?
Gerd Kersting: Die ÖDP setzt sich dafür ein, dass Kinder grundsätzlich bis zum sechsten Schuljahr gemeinsam die Grundschule besuchen.
Nach Auffassung der ÖDP trägt das zu einer besseren Leistungsentwicklung der Kinder und damit für eine adäquate Bildung insgesamt in NRW bei. Wir meinen, dass der weitere persönliche Bildungsverlauf eines Kindes nach 6 Jahren besser abzusehen ist, als nach 4 Jahren.
Nach Beratung mit den Lehrern können sich Eltern und Kind zu diesem Zeitpunkt für den geeigneten weiteren Bildungsweg entscheiden.

Muss das NRW-Schulsystem grundlegend geändert werden?
Gerd Kersting: Wir meinen, eine Schullandschaft aus Gymnasium, Gesamtschule, Hauptschule und Realschule spaltet Jugendliche zu sehr auf und führt oftmals zu einen Qualitätsverlust der Lehre, worunter vor allem die Hauptschule zu leiden hat. Stattdessen muss ein zweigliedriges Schulsystem eingeführt werden, das die Jugendlichen besser auf ihre individuellen Berufsziele vorbereitet.
Das Gymnasium ist mit dem Ziel Jugendliche auf ein Hochschulstudium vorzubereiten weiterzuführen. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt hierbei darin Voraussetzungen für ein Studium zu vermitteln und an wissenschaftliches Arbeiten heranzuführen.
Eine neu einzurichtende Fachschule soll hingegen verstärkt für eine Ausbildung und den Berufseinstieg vorbereiten. Berufspraktika und angewandtes Lernen stehen bei dieser Schulform verstärkt im Fokus.
Beide – von uns angebotene – Schulformen bieten alle Abschlüsse vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur an, begleiten die Schüler- und Schülerinnen aber dabei gezielter in Hinblick auf ihre weitere berufliche Entwicklung.

Sollen die Studiengebühren abgeschafft werden?

Gerd Kersting: Wir wollen qualitativ hochwertige Bildung für alle, weil unsere Gesellschaft von einer gut ausgebildeten Jugend einen großen Nutzen hat.
Neben dem sozialen Aspekt, der hier von vielen anderen Parteien schon besetzt wird, bringt die ÖDP hier auch ihren ethischen Schwerpunkt der Gleichbehandlung aller Menschen ins Spiel. Bildung kann nicht vom Geldbeutel abhängen, sondern muss jedem möglich gemacht werden. Eliten und Genies, die auch für den Wissenschaftsstandort NRW wichtig sind, können mit der so genannte „Vorauswahl der Studiengebühren“ durchs „Sieb fallen“.
Beispiele – wie Albert Einstein – gibt es in der Geschichte genug.
Studiengebühren erschweren den Zugang zu den Hochschulen und können bei den Studierenden selbst zu einer Verschlechterung ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit führen.
Außerdem sind Studiengebühren familien- und damit gesellschaftsfeindlich.
Deshalb muss eine Gebührenpflicht für Bildung an Schule und Hochschule tabu sein –Studiengebühren müssen daher abgeschafft werden!

Soll ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden?
Gerd Kersting: In der heutigen Zeit darf es gar keine Frage mehr geben, ob Mindestlohn opportun ist. Bei einem der letzten Bundesparteitage der ÖDP hat sich die Mehrheit aller Delegierten allein schon aus ethischen Gründen für einen gesetzlichen Mindestlohn ausgesprochen.
Und wir in NRW halten uns hier auch gerne an die Landesverfassung. Denn im Artikel 24 Abs. 2 heißt es, dass der Lohn der Leistung entsprechen und den angemessenen Lebensbedarf des Arbeitenden und seiner Familie decken muss.
Das heißt aber auch: Für gleiche Tätigkeit und gleiche Leistung besteht Anspruch auf gleichen Lohn. Das gilt insbesondere für Frauen und Jugendliche.
Konkret gilt hier: Für jeden Berufszweig können Mindestlöhne festgesetzt werden, die dem Arbeitnehmer eine den jeweiligen kulturellen Verhältnissen entsprechende Mindestlebenshaltung für sich und seine Familie ermöglichen. So muss es selbstverständlich sein, dass die Arbeit von Mann und Frau gleichzustellen ist.

Was wollen sie finanzpolitisch ändern?
a) Steuern und Abgaben senken?
ODER
b) den Sparkurs fortsetzen und weniger Schulden machen?

Gerd Kersting: Wir wissen um den betriebswirtschaftlichen Vorteil von Investitionen, doch hier muss jetzt endlich mal Schluss gemacht werden.
Die ÖDP NRW will deshalb die Steuern und Abgaben nicht senken, sondern den Sparkurs weiter fortsetzen wie auch weniger Schulden machen! Der derzeitige Schuldenstand in NRW liegt bei mehr als 110 Milliarden Euro. Nachfolgende Generationen werden uns vorwerfen, nicht gespart zu haben.
Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler lässt grüßen:
Pro Minute steigen unsere Staatsschulden um mehr als 26.000 Euro!
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Da kann es nur heißen, eisern sparen, um nicht in die Not wie Griechenland und und und …. zu geraten!

Herr Kersting, ich danke Ihnen für das Gespräch.