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Stoppt den Flächenfraß

ÖDP Bottrop: Grafenwald braucht keine neue Bebauung

 

Nördlich des geschlossenen Stadtteils Grafenwald möchten die Stadt Bottrop, bisher auch fast alle Ratsparteien und einige wenige Grafenwälder gewaltige neue Wohngebiete schaffen. Landschaftsschutzgebiete und Grünland sind dabei im Weg und sollen wohl vor allem mit Einfamilienhäusern zugestellt werden. Links und rechts der Straße Heimersfeld, nördlich vom Ottenschlag und bis zu Wiesengrund soll künftig eine Bebauung möglicht werden. Die Stadt strebt eine entsprechende Stellungnahme zum Regionalplan an.

Der Grafenwälder Volker Fockenberg, der die ÖDP-Fraktion im Bezirksparlament Kirchhellen vertritt, ist der festen Überzeugung, dass im Stadtteil keine zusätzlichen Wohnbauflächen ausgewiesen werden müssen. „Durch viele kleinere Baumaßnahmen wie an der Schneiderstraße wurde der sonst mögliche Bevölkerungsrückgang gestoppt. Die Grundschule und die Stadtteil-Kitas sind langfristig gesichert. Zum 01.08.2019 reichen die 115 Kindergartenplätze für über 3-Jährige schon nicht mehr aus – es fehlen 24 Plätze. 2021 wird ein Fehlbedarf von 43 prognostiziert,“ so Fockenberg. Schon bald stehe zudem in ganzen Straßenzügen des Ortsteils ein Generationswechsel an, der automatisch für eine Verjüngung sorgt.

Mit einer Wohnbebauung auf dem Gebiet der Schachtanlage Prosper IV und einer Konsequenten Nutzung bestehender Baulücken sei der Bedarf junger Grafenwälder an Neubauflächen ohne weiteres zu decken.

Ratsmitglied Johannes Bombeck, der für die ÖDP im Umwelt und Planungsausschuss sitzt, sieht eine mögliche Nutzung von jungfräulichen Böden und Landschaftsschutzgebieten mehr als kritisch: „Den Befürwortern einer zusätzlichen Bebauung geht es darum, weitere Menschen aus den Ballungszentren des Ruhrgebietes anzulocken, die dann zwar wunderbar im Grünen bauen, aber fast alle ihre Wege mit dem Auto erledigen werden. Eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die viele Menschen zum dauerhaften Umstieg ermutigt, sei leider für Grafenwald noch in weiter Ferne. Dies gilt vor allem für den Großeinkauf und den Weg zur Arbeit.“ Eine bessere Versorgungsstruktur des Stadtteils z.B. ein Supermarkt mit dem von einer Mehrheit der Kunden gewünschten umfangreichen Sortiment, gäbe es erst bei 8.000 Einwohnern. Diese Einwohnerzahl ist selbst mit umfangreichster Bebauung nicht zu erreichen. Seit Jahren leben in Grafenwald knapp 6.000 Menschen.

Eine neue Bebauung wünscht sich die ÖDP in erster Linie in Alt-Bottrop und dort eher im Süden der Stadt. Die wenigen Neubauprojekte dort - und dies gilt auch für Einfamilienhaussiedlungen - waren alle erfolgreich, die Infrastruktur (Straßen, Schulen, Kitas) ist bereits vorhanden. Auch ist hier ein freiwilliger Umstieg auf Alternativen zum Auto eher zu erwarten. In Grafenwald ist in den letzten Jahrzehnten eigentlich ständig neu gebaut worden, Infrastruktur musste teuer hergestellt werden. Gleichzeitig hat der Süden massive Einwohnerverluste hinnehmen müssen, in einigen Stadtteilen hat sich die Bewohnerzahl fast halbiert. Schulen wurden geschlossen, Vereine haben aufgegeben. Hier müssen Baulücken geschlossen werden und hier kann eine Brachfläche auch einmal geopfert werden, um die Stadtteile zu stärken und die vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Dies umso mehr, da die industrielle Prägung des Südens nachgelassen hat und es im Gegensatz zu anderen Ruhrgebietsstädten keine Stadtteile mit extremen sozialen Verwerfungen gibt, die ansiedlungswillige Menschen verschrecken.

Völlig ungelöst ist aus Sicht von Bombeck auch das Verkehrsproblem in Grafenwald. „Zwei- oder dreihundert neue Einfamilienhäuser - in der Regel mit je zwei PKW - im Norden von Grafenwald verschärfen die aktuelle Problemlage, zumal ein Verkehrsabfluss über die Glaserhüttenheide kaum möglich werden dürfte.“
Eine vernünftige und an vorhandener Infrastruktur orientierte Stadtentwicklung muss heute nach dem unbeschreiblichen Flächenfraß in Kirchhellen und Grafenwald in erster Linie im Süden der Stadt stattfinden. Hier wird, wenn überhaupt, Zuzug benötigt. Und wenn Neubau, Aufstockung und Nachverdichtung sinnvoll gestaltet werden, ist der Ökologische Fußabdruck bedeutend hinnehmbarer als in Grafenwald.

Bezirksvertreter Fockenberg hofft, dass sich in Grafenwald Widerstand gegen eine weitere Bebauung formiert und zum Beispiel die Grüne Ratsfraktion ihre Haltung zur Wohnbauflächenentwicklung überdenkt.


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