Inklusion – wieder so ein „Mainstream-Begriff“…

…wie so mancher andere heutzutage auch.

Die meisten wissen gar nicht genau, was sie oder andere damit meinen, aber “es” klingt gut, modern und basisdemokratisch und wird deshalb im “stillen oder lauten Postverfahren” von Mund zu Mund und von Amtsstube zu Amtsstube weitergetragen.
So gut wie nichts ist vorbereitet, um das, was manche unter Inklusion verstehen, in die Realität umzusetzen. Es gibt nun mal die Vorgaben der EU und meist eher schwammig formulierte nationale Ziele, so dass man sich „vor Ort“ bemüht so gut es geht. Aber, diese Bemühungen können nicht zum Erfolg führen, weil die Bedingungen, unter denen jetzt auf die Schnelle Inklusion stattfinden soll, die alten sind.
Am Beispiel Schule wird dies deutlich: Die Lehrer werden ohne Fachausbildung allein gelassen, die Förderlehrer fürchten um ihre Spezialschule, die Stadtverwaltungen und Kommunalpolitiker fürchten um die städtischen Finanzen. Aber gleichzeitig ist bei Schülern sowie Eltern eine enorm hohe Erwartungshaltung aufgebaut worden.
Fazit: Es kommt zu laufenden Ent-”Täuschungen”. Diese “Täuschungen” sind es, die mich fürchterlich ärgern und, meiner Meinung nach, teilweise bewusst von Einzelnen beabsichtigt sind (sei es auf UN-, EU-, Bundes- oder Landesebene). Solch “große Themen” ohne solide Vorbereitung und ohne Wachsen von der Basis her aufoktroyieren zu wollen, kann nur schief gehen.
Steckt dahinter nicht vielmehr der Gedanke, teure Betreuungs- und Fördersysteme behinderter Menschen ganz einfach ein- und wegzusparen? Was sich in Jahrzehnten sinnvoll entwickelt hat, fasst man nun schnell zusammen in einer “Einheitsbreiförderung”. Damit soll dann alles geregelt sein, und man behauptet sogar, dem Gedanken der “Gleichbehandlung” ein gutes Stück nähergekommen zu sein!
Wenn Inklusion wirklich so ein gesellschaftliches Top-Thema ist:
Warum sperren wir alte, dahinsiechende, sterbende, leidende Menschen aus unserem normalen gesellschaftlichen Leben in zunehmendem Maße aus?
Oder hört hier “Inklusion” etwa auf?
 “Weniger ist mehr” – dieser Grundsatz lässt sich auch auf das Thema Inklusion hervorragend anwenden:
Weniger schnelllebige, unausgegorene Reformpläne, die Bewährtes schlagartig über den Haufen werfen – dafür aber: Mehr Zeit lassen, langjährig Erprobtes weiter langsam und stetig zu verfeinern, wenn nötig, vorsichtig in einem gesellschaftlichen Konsens von “unten nach oben” an einzelnen Stellen zu korrigieren, insgesamt aber eher zu bewahren.

Aber auch dieses ist – leider – n i c h t – m a i n s t r e a m !

Kurt Rieder

ÖDP-Mitglied aus Stolberg bei Aachen


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