Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Menschenhand und Naturgewalt

Zur Katastrophe in Japan

Erdbeben und die damit verbundenen Tsunamis wie jetzt in Japan sind unvermeidliche Naturkatastrophen, das darauf gefolgte Atomunglück ist menschengemacht!
Der Zusammenhang zu einem denkbaren Atom-Gau in Europa und in Deutschland ist folgerichtig, gleichwohl denke ich zunächst an die Menschen in Japan. Nachdem die überlebenden Menschen erst einmal mit der Bewältigung der Katastrophe zu tun haben werden, kommen später unweigerlich die Fragen an die Politik.
Eine Frage wird sein: Ist die Atomkraft die richtige Lösung zur Energieversorgung? Ich meine, nein, denn die Atomkraft ist – unabhängig des Problems der Atom-Müllendlagerung – nicht ewig verfügbar, genauso wie fossile Stoffe (Kohle, Öl, Gas etc.). Es müssen andere Lösungen zur Energieversorgung der Bevölkerung her. Atomkraft ist eine menschenverachtende Technologie – in Zeiten von Krieg wie auch in friedlichen Zeiten. Das beste Beispiel ist nun mal Japan, historisch, wie aktuell.
Mir tut das japanische Volk unendlich leid, aber trotz meines Mitgefühls stelle ich mir die Fragen: Warum muss eine demokratisch legitimierte Regierung neben den beiden natürlichen Gefahren wie Erdbeben und Tsunami auch noch das hausgemachte Problem der Atomkraft aufsummieren? Wie kann eine Nation diese gottverachtende Atom-Technologie zulassen? Das Argument, die Japaner hätten keine Energiereserven wie Kohle und Öl, zählen für mich nicht, denn Uran ist ebenfalls endlich!
Gerade für die Japaner – bekannt als ein ehrliches und fleißiges Volk – sollte zukunftsfähig gedacht und gehandelt werden. Hier ist die japanische Regierung in der Pflicht: Eine Insel wie Japan hat die besten Voraussetzungen für den Ausbau führender Technologien ohne Atomkraft und fossilen Energieträgern; Japan hat Ressourcen wie Wind, Wasser und Sonne im Überfluss, und damit alle Möglichkeiten zukunftsfähige und menschenfreundliche Energieträger weiter zu entwickeln und zu nutzen.
Die Japaner können das, und wir in Deutschland und Europa können nicht nur jetzt in der Not, sondern auch zukünftig dabei helfen; technisch, aber auch als Vorreiter weltweit, durch einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Atomenergie (die Mehrheit in Deutschland ist dafür) verbunden mit einer Forcierung umweltfreundlicher Technologie-Entwicklung. Das können wir, denn wir sind weltweit führend in technischem Umweltschutz.
Ob sich solch eine Katastrophe in Europa, Deutschland oder NRW wiederholen kann, ist nicht die Frage, denn Szenarien wie Erdbeben oder Terroranschläge sind immer vorstellbar. Deshalb lobe ich mir auch die kritischen Beiträge der kath. wie ev. Kirche: „Ich bedauere die Entscheidung der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken“ (Bischof Gregor Maria Hanke am 09.09.2010), „Wir müssen darüber nachdenken, wie lange wir uns Atomkraft noch leisten können“ (Altbischof Wolfgang Huber am 13.03.2011) „Wir fordern eine erneute Diskussion über Atomkraft in Deutschland“ (Nikolaus Schneider, Ratspräsident der ev. Kirche Deutschland – EKD am 14.03.11), „Die Kernenergie ist ein Zeichen von Verantwortungslosigkeit“ (Alfred Buß, Präses der ev. Kirche von Westfalen am 14.03.11), sowie „Ein schneller Ausstieg ist geboten“ (Weihbischof Bernd Uhl am 15.03.2011). Auch die tröstenden Worte von Papst Benedikt, der zeitnah – stellvertretend für uns Christen – den tausenden Opfern und ihrer Angehörigen gedachte, sind emotional hilfreich.
Ich wünsche dem Japanischen Volk eine möglichst schnelle Regeneration aus diesem Desaster. Wohlgleich ich sehr betroffen bin, dass es überhaupt so weit kommen konnte, wie auch dass die Informationspolitik der Verantwortlichen (Betreiber und Politik) bei solchen Atom-Katastrophen immer – und auch jetzt sogar im demokratischen Japan – so unsäglich schlecht ist.
Für Deutschland und NRW als Energiestandort bleibt nur zu hoffen, dass Norbert Röttgen (Bundesminister für Umweltschutz und Reaktorsicherheit und Chef der NRW-CDU) in Sachen Umweltschutz bei der CDU langfristig nicht genauso scheitert, wie seiner Zeit Heiner Geisler – ansonsten sehe ich im wahrsten Sinne des Wortes SCHWARZ! Ich denke, die Wähler werden die Entwicklung hierzulande sehr genau beobachten.

Gerd Kersting
Landesvorsitzender


Die ÖDP Nordrhein-Westfalen verwendet Cookies, um diese Website Ihren Bedürfnissen anzupassen. Zu den Cookie-Nutzungsbestimmungen