Nur eine Krise pro Saison

Über die mediale Krisensau

Für viele Politiker scheinen Krisen nur dann relevant zu sein, wenn sie im Medienfokus stehen. Überbot man sich vor zwei Jahren in der Darstellung der Brisanz des durch den Menschen verursachten Klimawandels, so wurde vor einem Jahr eine Beschränkung der Macht von Banken von allen beschrien und in diesem Jahr sind die stattlichen Haushaltsdefizite die Krönung der Notwendigkeit. Dabei sind die Krisen immer nur die Spitzen grundlegender schon lange anhaltender Probleme; so war der Klimawandel schon vor dem medialen Entdecken in seinen Ausmaßen bekannt, ebenso wie die Rolle der Banken schon seit Jahren von Experten kritisiert wurde und die staatlichen Haushalte lediglich von einem Rekorddefizit in ein neues gerutscht sind.
Nach einigen Monaten wohlmeinender Sonntagsreden (sprichwörtlich bei Anne Will) versinken diese Themen und auch die damit verbundene Bedrohung in den Medien und den Köpfen der Politiker. Es ist in ihren Köpfen wohl immer nur Platz für eine unumgängliche Krise, die anderen werden davon überdeckt.
Nur so kann erklärt werden, wieso Herr Brüderle die Aufstockung der CO2-Einsparung von 20% auf 30% in Hinblick auf die Wirtschaftskrise ablehnt, obwohl diese für die Vermeidung von gravierenden Klimaschäden unablässig ist (Beschränkung der Erwärmung auf 2° C bis Ende des 21. Jahrhunderts).


Es wäre schön, wenn Politiker Probleme und Risiken nicht nur aus ihrem Resort und der aktuellen Medienmeinung heraus betrachten würden, sondern aus der Problemlage. So hätten auch alle bisherigen „Krisen“ schon vor ihrem medialen Aufkommen effektiver und kostengünstiger angegangen werden können. Herr Brüderle warte aber wohl lieber darauf bis es das nächste mal bei einer anderen Krise wieder fast zu spät ist.

Simon Gremmler


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