Kokereiführung schaufelt am eigenen Grab

(Bottrop) - Die Information, dass in den Koksofenbatterien der Bottroper Kokerei neben Kohle auch sogenannter Petrolkoks zum Einsatz kommt, musste der Firma ArcelorMittal mühsam vor Monaten aus der Nase gezogen werden. Die Betriebsleitung hat aber auf häufige Nachfragen von Bürgern, Bürgerinitiative und der Bottroper ÖDP mehrfach betont: „Es handelt sich um einen hochwertigen Einsatzstoff, der unproblematisch ist,“ so Geschäftsführer Jörn Puffpaff.

Immer blieb die ÖDP hier kritisch. Die in die Jahre gekommenen Koksofenbatterien sind zunehmend undicht. Eigentlich müssten sie ersetzt werden. Die im Umfeld der Kokerei festgestellten überhöhten Benzoapyrenwerte deuten auf kaum lösbare Dichtigkeitsprobleme bei den Koksöfen und den nachgelagerten Systemen hin. Damit ist der Einsatz von Petrolkoks besonders kritisch. Bei einer Kokerei handelt es sich nie um ein geschlossenes System. Auf Grund des Alters und des schlechten Pflegezustandes der Koksöfen ist aber ein Einsatz von Raffinerie-Rückständen - z.B. Ruß - extrem problematisch. Diese Rückstände wurden zu Petrolkoks umdeklariert und so den Koksöfen zugesetzt.

Tatsächlich handelt es sich wohl nicht um hochwertigen und handelsüblichen Petrolkoks, sondern laut Umweltministerium NRW um gefährlichen Abfall, der deutlich höhere Gehalte von Nickel, Vanadium und Schwefel aufweist. Dieser mit Öl gebundene Ruß ist mit Schwermetallen belastet und laut Ministerium krebserregend. Da ArcelorMittal solche Fakten scheinbar bewusst verschweigt, nur solche Fakten bestätigt, die nach langer Recherche nachweisbar sind, sinkt die Akzeptanz in der Wohnbevölkerung im Umfeld der Kokerei schon länger. Die Kokerei hat immer für gewisse Verschmutzungen im Umfeld gesorgt, die aber auf Grund der wichtigen Arbeitsplätze hingenommen wurden. Diese Akzeptanz sinkt nun auch beim sehr wohlwollenden Anwohner.

„Durch eine Informationspolitik der langen Nase, gefährdet der Konzern ArcelorMittal seinen Industriestandort Bottrop. Der Konzern schädigt die Bevölkerung und ist nicht bereit, alle notwendigen Investitionen zu tätigen, die die Kokerei zukunftsfähig machen würden,“ sagt Johannes Bombeck von der Bottroper ÖDP-Ratsfraktion. Der frühere Betreiber der Kokerei hatte bewiesen, dass zum Beispiel die Zielwerte für Benzoapyren nicht über Jahre gerissen werden müssen. „Aktuell haben wir einen Eigentümer, der die Anlage auf Verschleiß fährt und Bürger, Kommunalpolitiker und die Stadtverwaltung an der Nase herumführen möchte,“ glaubt Bombeck. Dies muss ein Ende haben. Die neuen Enthüllungen bringen das Fass zum Überlaufen.

 

Foto: im Hintergrund Kokerei Arcelor Mittal Bottrop,

Bildquelle: M. Stamm


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