21.09.2017

Einer der schlimmsten Atomunfälle der Geschichte

27. September 2017: 60 Jahre Majak

(Münster/Düsseldorf) – Majak? Was ist das? Was war da? Majak gehört in die Liste zu Tschernobyl und Fukushima. Majak steht für den drittfolgenschwersten Atomunfall in der Geschichte. Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) Nordrhein-Westfalen sieht die Serie von schwersten Atomunfällen als Mahnung und Warnung. Trotz dieser Unfälle macht die Welt mit der Kernenergie weiter. In Deutschland sind eine Großzahl von AKWs noch in Be-trieb, die Uranfabriken laufen weiter, und Deutschland exportiert Atombrennstäbe in die ma-roden Atommeiler in Belgien. „Aus Schaden nichts gelernt“, so das Fazit der ÖDP.

Was geschah in Majak?
29.September 1957: Vermutlich ein Funke eines Kontrollgeräts löste eine Explosion kristallisierter Nitrate aus. Es entstand eine chemische Explosion, deren Wucht große Mengen radio-aktiver Stoffe freisetzte, darunter auch langlebige Isotope von Strontium, Zäsium und Plutonium.

Diese radioaktive Partikel wurden bis in Höhen von 1000 Meter in die Luft geschleudert. Auf dem Betriebsgelände fingen etwa 90 % des radioaktiven Fallouts nieder, zehn Prozent verfrachtete der Wind Richtung Nord-Ost. Dieser "Fallout" erzeugte die so genannte Osturalspur, eine Radioaktivitätsschneise von 10 bis 40 Kilometer Breite und 400 Kilometern Länge. Das Ereignis ging als "Unfall von Kyschtym" – benannt nach einer zehn Kilometer östlich von Os-jorsk gelegenen Stadt – in die Geschichte ein.
In der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)  rangiert er auf der zweithöchsten Stufe 6: schwerer Unfall. Damit ist er der drittschwerste Nuklearunfall der Ge-schichte. Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 finden ihre Einordnung in auf Stufe 7: kata-strophaler Unfall. Kyschtym ist der einzige Unfall mit Stufe 6. Die bekannteren Zwischenfälle im britischen Sellafield von 1957 und 1979 in Harrisburg in den USA gelten als Stufe 5: ernster Unfall.

Das Ereignis vom 29. September 1957 war der schwerste Unfall in Majak, aber nicht der einzige. Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit zählt zwischen 1948 und 2008 insgesamt acht dokumentierte, schwerwiegendere Ereignissen.
Die ÖDP nimmt den Jahrestag von Majak zum Anlass, ihre Forderung nach einem weltweiten Atomausstieg zu bekräftigen. Die Welt scheint aus der Serie von atomaren Katastrophen nichts gelernt zu haben.

Aktuell besteht durch die beschädigten und überalterten Atommeiler in Tihange und Doel die große Gefahr, dass einer dieser beiden Namen in die Reihe von Tschernobyl, Fukushima und Majak einreiht. Dies hätte aber weitaus dramatischere Folgen als diese drei Ereignisse, da eine Katastrophe bei beide Reaktoren dicht besiedeltes Gebiet betreffen und dieses damit über Jahrhunderte unbewohnbar machen würde.

Tihange und Doel ist ein Spiel mit dem atomaren Feuer, aus Profitinteresse und mit dem Ein-satz, den alle Menschen im Umkreis der Atomanlagen dann letztlich mit zu zahlen haben. Die Betreiber der Anlagen in Belgien wären nicht in der Lage, für die Konsequenzen aufzukom-men. Der Versicherungsschutz reicht für einen ernsten Unfall bei Weitem nicht aus. Russi-sches Roulette auf belgisch – eben, so die ÖDP NRW. Nur: Den Kopf, an dem der Revolver gehalten wird, ist der aller Menschen im weiteren Umkreis der Atommeiler, wie Majak zeigt. Im Falle Majak reichte die Fallout-Spur bis zu 400 km weit.


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