22.09.2017

Tiere sind Mitgeschöpfe – kein lebloses Produktionsgut!

Die ÖDP-Bundestagskandidatin Christina Flora Aldenhoven in Krefeld: Massentierhaltung schädigt unser Klima, Multiresistente Keime gefährden unser Leben.

(Krefeld) – Wer ist der weltweit größte Produzent von Klimagasen? Nicht das Auto – nein: Die Massentierhaltung. „Die weltweite Fleisch- und Fischindustrie hat einen weit größeren Einfluss auf klima- und umweltschädigende Treibhausgase, als sämtliche anderen Abgasemissionen zusammengenommen.“, so die ÖDP-Bundestagskandidatin Christina Flora Aldenhoven auf einer Veranstaltung ihrer Partei am Samstag in Krefeld. Die Massentierhaltung stellt auch weltweit den Klimakiller Nummer Eins dar.

Aldenhoven führte aus, dass immer mehr Antibiotika in der Tierzucht zusätzlich eine gefährliche Zunahme von Antibiotika-Resistenzen verursacht. Nach seriösen Schätzungen bringen diese „Killerkeime“ jährlich 50.000 Menschen in Europa den Tod. „Gelingt es nicht, die Infektionsgefahr durch multiresistente Keime in den Griff zu bekommen, steht der Menschheit 100 Jahre nach der Entdeckung der Antibiotika durch Fleming der Weg in ein „postantibiotisches Zeitalter“ bevor. Dies hätte zur Folge, dass bereits kleine Infektionen wieder tödlich wären – mit Millionen von Infektionstoten weltweit pro Jahr.“, so die Studentin der Medizin, Christina Flora Aldenhoven.

Ursache ist nach Meinung der Referentin die deutlich angestiegene Nachfrage nach Fleisch. „Laut Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft verbraucht jeder Deutsche über 60 Kilogramm reines Fleisch pro Jahr. Damit hat sich der allgemeine Fleischkonsum in der Bundesrepublik im Vergleich zum Jahr 1850 vervierfacht“, so Aldenhoven.

Die Produktion und der Konsum solcher Fleischmengen wirken sich negativ auf Umwelt und Klima aus. Während rein pflanzliche Lebensmittel direkt verarbeitet und konsumiert werden können, gibt es bei Fleischprodukten Umwege in der Erzeugung. Bevor ein tierisches Lebensmittel zum Verzehr auf dem Teller landet, muss das Tier selbst fressen. „Laut Bundesministerium/Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe wandern über 40 Prozent der Getreideernte so erst einmal in Futtertröge.“, so die ÖDP-Bundestagskandidatin. Zur Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch sind rund drei Kilogramm pflanzliches Futter erforderlich. Bei Rindern ist dieser Anteil sogar noch höher.

Die Tierhaltung in diesen Produktionsbetrieben ist nach Aldenhoven ein ausgemachter Skandal. „Erst seit diesem Monat ist es nicht mehr erlaubt, Kühe und Schweine hochschwanger zu schlachten. Schwangere Ziegen und Schafe werden weiterhin zur Schlachtbank geführt. Auch ist die Kastration noch bis 2019 ohne Betäubung erlaubt. Dies führt zu völlig unnötiger Tierquälerei.“ Als völlig inakzeptabel bezeichnete es die ÖDP-Bundestagskandidatin, dass Schweine über 100 kg bei uns auf 0,75 Quadratmetern gehalten werden dürfen. Diese Fläche für ein ausgewachsenes Tier sei einem angemessenen Tierschutz nicht würdig.

Die derzeitigen Tierschutzbedingungen seinen insgesamt mangelhaft. Aber selbst diese mangelhaften Vorschriften würden nicht durchgängig eingehalten. Die Referentin kann sich zur Durchsetzung der Tierschutzbestimmungen eine Videoüberwachung in Schlachthöfen und Tierzuchtanlagen vorstellen. Quasi wie in einem „Fahrtenschreiber“ im LKW, stünde dann den Überwachungsbehörden Informationen aus der Zeit zur Verfügung, in denen die Kontrolleure nicht anwesend wären.

Die intensive, industrielle Massentierhaltung macht massiven Antibiotikaeinsatz erforderlich und führt zu unerträglichem Leid für Tiere. „Tiere sind Mitgeschöpfe – kein lebloses Produktionsgut“, so Aldenhoven.

„Da Tiere in Massenhaltung schnell krank werden, müssen sie besonders häufig behandelt werden. Auch erfolgt der Einsatz von Antibiotika rein vorbeugend, also bei gesunden Tieren. Die Gabe dieser Antibiotika erfolgt schlicht profitorientiert: Dadurch erreichen Hähnchen einen Tag früher ihre ‚Schlachtreife‘. Für diesen einen Tag Produktionsverkürzung nimmt die Fleischindustrie die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen in Kauf.“, so Aldenhoven.

75% aller in Deutschland verabreichten Antibiotika würden an Tiere verfüttert – nur 25% von Menschen eingenommen. Erforderlich zum Schutze der Menschen sei ein Stopp der unnötigen und nicht indikationsgerechten Verordnung von Antibiotika, fordert die Studentin der Medizin.

Der Einsatz von „Reserveantibiotika“, die letzte Verteidigungslinie gegen multiresistente Keime, dürfe nur noch ausschließlich beim Menschen erfolgen. Durch den Einsatz von „Reserve-Antibiotika“ bei Tieren würde die letzte Waffe zum Kampf gegen Krankenhauskeime beim Menschen stumpf. Wer „Reserve-Antibiotika“ dort einsetze, nehme das Leid und den Tod tausender Menschen billigend in Kauf.

Die Statistik des Antibiotika-Einsatzes bei Tieren weise einen Rückgang auf. Dies sei jedoch ein Scheinrückgang. Da moderne Antibiotika und vor allem „Reserveantibiotika“ in geringeren Mengen wirksam seien, sei hierdurch der Rückgang des Antibiotika-Verbrauchs, gemessen in Tonnen, erklärbar. Die Anzahl der Antibiotika-Dosen spreche eine andere Sprache. Von einem Rückgang von Antibiotika in der Tierzucht kann daher insgesamt keine Rede sein.

Die ÖDP spricht sich für die Abschaffung der industriellen Massentierhaltung aus. Diese sei eine der Hauptquellen für die Entstehung multiresistenter Keime. Darüber hinaus müsse auch der Einsatz von multiresistenten Zellen in der Gentechnologie zum Schutze der Menschen strikt verboten werden.


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