Lokalnachricht
Einmal pro Woche auf Fleisch verzichten spart neun Millionen Tonnen Treibhausgas
Cowspiracy – der Film – Nachdenken über die Folgen der Fleischindustrie. Für den Fleischkonsum belegt Deutschland auf anderen Kontinenten eine Fläche so groß wie Bayern!
(Bochum) – Der steigende Fleischkonsum führt zu einer rasant steigenden Umweltbelastung. Alleine der Flächenverbrauch für die Fleischerzeugung in Europa ist enorm. Da in Europa die Fläche nicht ausreicht, werden hierfür Gebiete in anderen Kontinente wie Südamerika genutzt. „Zwischen 2008 und 2010 belegte die EU hierfür mehr als 30 Millionen Hektar. Das entspricht in etwa der Fläche Ungarns, Portugals, Dänemarks und den Niederlanden zusammen. Der deutsche Anteil an diesem „virtuellen Landhandel“ umfasst etwa sieben Millionen Hektar. Dies entspricht ungefähr der Größe Bayerns.“ so Cristina Flora Aldenhoven, Mitglied des Landesvorstands der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Nordrhein-Westfalen und Vorsitzende der ÖDP-Kreisverbands Ruhr-Mitte auf einer Veranstaltung der ÖDP am Samstagabend.
Der Film „Cowspiracy“, der als Einstieg in die Diskussion diente, zeigt die Folgen der stark wachsenden Fleischindustrie deutlich auf: CO2-Emissionen aus Waldrodung und Moornutzung, Produktion von Lachgas und Methan, Ernteschäden, Bodenverlust, Wassermangel, Nitrat im Grundwasser, Ammoniak in der Luft und Antibiotika im Boden und Gewässern sind nur einige der Folgen unseres Fleischkonsums. Hinzu kommen die oft völlig inakzeptablen Bedingungen für die Tiere in der Fleischindustrie. Die industrielle Massentierhaltung degradiert Tiere zu reinen „Produktionsmaschinen“. Unvorstellbares Tierleid ist hier vorprogrammiert.
Verhaltensänderungen der Verbraucher könnten einen wirksamen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. „Verzichtet jeder Bundesbürger pro Woche einmal auf Fleisch, spart dies in etwa neun Millionen Tonnen Teibhausgas-Emissionen ein“ so Aldenhoven. „Dies entspricht der Emission von 75 Milliarden PKW-Kilometern, oder etwa sieben Prozent der durch jeden einzelnen verursachten jährlichen Treibhausgas-Emissionen.“
Dabei wäre reduzierter Fleischkonsum auch gut für die Gesundheit: „Eine Reduktion auf 450 Gramm Fleisch pro Woche wäre für eine gesündere Ernährung nach wissenschaftlichen Empfehlungen förderlich“, so Aldenhoven. „Als Veganerin empfehle ich natürlich den völligen Verzicht auf Fleisch.“ Aber bereits eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums hätte positive Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt.
Die ÖDP setzt sich seit vielen Jahren für ein Weg von der industriellen Massentierhaltung ein. Der ÖDP-Europaabgeordnete Prof. Dr. Klaus Buchner hat hierzu die Kampagne „Klaus graust’s vor industrieller Massentierhaltung und multiresistenten Keimen“ gestartet. Bei der industriellen Massentierhaltung ist es erforderlich, auch gesunde Tiere mit Antibiotika zu behandeln. Dies führt zur Entstehung von multiresistenten Keimen, die auch als „Killerkeime“ und „Krankenhauskeime“ bezeichnet werden. Derartige Keime wurden unlängst in Gewässern nachgewiesen.
Die industrielle Massentierhaltung macht es erforderlich, gesunde Tiere mit Antibiotika vorsorglich zu behandeln. Dieser massive Antibiotika-Einsatz führt dazu, dass Erreger entstehen, gegen die gängige Antibiotika wirkungslos sind. „Bei Patienten mit derartigen Infektionen helfen nur noch die sogenannten ‚Reserveantibiotika‘. Da diese jetzt auch in der Tierzucht eingesetzt werden, geht ihre Wirksamkeit ebenso verloren“, so Christina Flora Aldenhoven, die derzeit ein Medizinstudium absolviert. „Wirken gegen Erreger weder die gängigen Antibiotika noch Reserveantibiotika, sind derartige Infektionen äußert lebensgefährlich.“ Wer Reserveantibiotika in der Massentierhaltung einsetzt, züchte geradezu Erreger, gegen die diese ‚letzte Verteidigungslinie‘ nicht mehr wirkt und nehme schwere gesundheitliche Schäden und den Tod von Patienten billigend in Kauf.