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Killerkeime kommen aus Schlachthöfen

Antibiotikaresistente Bakterien in Abwässern: GREENPEACE-Untersuchung zeigt alarmierende Befunde

(Düsseldorf/Münster) – Killerkeime aus Schlachthöfen bedrohen die Gesundheit! In 30 von 33 Abwasserproben aus Schlachthöfen wurden multiresistente Bakterien festgestellt, so eine neue GREENPEACE-Untersuchung. „Es ist höchste Zeit zum Handeln, um die Gesundheit der Menschen zu schützen“, so der Landesvorstand der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Nordrhein-Westfalen. „Die Massentierhaltung ist einer der Hauptgründe für die Entstehung dieser Keime, die dann u. a. über die Schlachthöfe ins Abwasser gelangen.“ Es ist nach Meinung der ÖDP NRW an der Zeit, diese gefährliche Massentierhaltung zugunsten einer für Mensch und Tier angemessene Tierhaltung zu ersetzen.

Laut WHO sterben in der EU jährlich etwa 33.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit Antibiotika-resistenten Erregern. Ein wichtiges Ziel einer Gesundheitspolitik müsste es daher sein zu vermeiden, dass Antibiotika-Resistenzen überhaupt entstehen. Leider fehlt es hier aber am politischen Willen, da dies einen weitgehenden Eingriff in das Geschäftsmodell der Betriebe, die Massentierhaltung betreiben, bedeuten würde. Der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung führt dazu, dass häufig in Tierställen, in und auf Fleisch und Fleischprodukten Resistenzen nachgewiesen wurden. Auch das Ausbringen von Gülle aus der Massentierhaltung verbreiten derartige Keime. Diese lassen sich dann auf landwirtschaftlichen Produkten wie Gemüse feststellen.

Die GREENPEACE-Untersuchung weist nun nach, dass diese „Killerkeime“ auch in Schlachthof-Abwässern massiv vorkommen. Zwar wurde der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung dem Volumen nach reduziert. Dies ist aber eher darauf zurückzuführen, dass moderne Antibiotika zur Wirksamkeit Mengen mit geringerem Volumen benötigen. Der Nachweis von multiresistenten Erregern in 30 von 33 geprüften Abwasserproben von Schlachthöfen beweist, dass diese Volumenreduktion das Problem der Multiresistenzen keineswegs beseitigt hat.

 

Besonders häufig wurden resistente Escherichia coli-Bakterien nachgewiesen, ebenso solche vom Typ Klebsiella. Besonders besorgniserregend ist das Vorkommen von Resistenzen gegen das Antibiotikum Colistin. Dieses wurde in 11 direkt aus Schlachthöfen in die Umwelt abgeleiteten Abwässern gefunden. Colistin ist ein Reserve-Antibiotikum. Reserveantibiotika kommen zum Einsatz, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken. Daher ist das Vorkommen von Resistenzen gegen Reserve-Antibiotika für Menschen lebensgefährlich.

Die Untersuchung weist nach, dass Killerkeime direkt aus den Abwässern von Schlachtbetrieben in die Umwelt gelangen. Hier besteht für die Gesundheits- wie auch die Landwirtschaftspolitik unmittelbarer Handlungsbedarf.

Einen ersten, wichtigen Schritt stellt die Verpflichtung für alle Betreiber von Schlachthöfen dar, die Abwässer so durch Filter- und Aufbereitungsanlagen zu reinigen, dass keine gefährlichen Keime mehr in die Umwelt gelangen können. Dies muss von den Behörden streng kontrolliert werden.

Auch ist der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung bei gesunden Tieren zu verbieten. Der Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung gefährdet unmittelbar menschliches Leben. Derartige Antibiotika müssen der Humanmedizin vorbehalten werden. Deren Einsatz in der Tiermedizin ist unter Strafe zu stellen.

Mittelfristig ist die Massentierhaltung zu beenden; das bedeutet z. B. zwei Großtiere pro Hektar verfügbarer landwirtschaftlicher Fläche. Wird jetzt nicht entschieden gehandelt, steht eine weitere Verbreitung von Killerkeimen zu befürchten. In deren Verlauf ist ein Ansteigen der Todesopfer durch diese Keime zu erwarten. Wird weiterhin nur sehr zögerlich gehandelt, stehen wir am Beginn eines „post-antibiotischen Zeitalter“, in dem Antibiotika weitgehend ihre Wirksamkeit verloren hätten. In diesem Falle wäre mit unzähligen Todesfällen durch Ausfall der Antibiotika zu rechnen.

 

(Bildquelle: Pixabay_nadya_il)

 

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