Pressemitteilung
Sozialabbau löst keine Strukturprobleme: ÖDP NRW fordert ehrliche Reform der Sozialversicherung
Die ÖDP Nordrhein-Westfalen kritisiert die geplanten Reformen der Sozialversicherung als sozial unausgewogen und strukturell unzureichend. Statt Familien, Pflegende und einkommenslose Mitversicherte stärker zu belasten, fordert die Partei eine grundlegende Reform mit klarer Steuerfinanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben, einer sozial-ökologischen Steuerpolitik und einer besseren Anerkennung von Care-Arbeit. Ziel ist ein gerechter Sozialstaat, der Verantwortung, Solidarität und nachhaltige Finanzierung verbindet.
Belastung schädigt die Basis der Solidargemeinschaft! Familien stärken für eine gesunde Gesellschaft! (Bild: KI ÖDP-NRW)
Die Ökologisch-Demokratische Partei Nordrhein-Westfalen kritisiert die aktuellen Reformüberlegungen der Bundesregierung zur Sozialversicherung scharf. Insbesondere die Diskussion über Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung einkommensloser Angehöriger bewertet die ÖDP als sozialpolitisch falsch und strukturell kurzsichtig.
„Statt die Ursachen der Finanzprobleme anzugehen, sollen erneut diejenigen belastet werden, die ohnehin kaum Spielräume haben“, erklärt Jens Geibel, Landesvorsitzender der ÖDP Nordrhein-Westfalen.
Strukturelle Defizite werden ignoriert
Nach Auffassung der ÖDP liegen die eigentlichen Probleme tiefer. Das deutsche Sozialversicherungssystem ist historisch gewachsen und heute zersplittert organisiert. Parallelstrukturen und ein hoher Verwaltungsaufwand verursachen erhebliche Kosten, ohne den Versicherten einen entsprechenden Mehrwert zu bieten. Gleichzeitig bleibt die Zuschussfinanzierung durch den Bund hinter der tatsächlichen Kostenentwicklung zurück.
„Die Finanzierungslücken sind auch politisch verursacht. Der Bund überträgt immer mehr Aufgaben auf die Sozialkassen, ohne für eine ausreichende Gegenfinanzierung zu sorgen“, so Geibel.
Gesamtgesellschaftliche Aufgaben müssen steuerfinanziert werden
Ein zentraler Kritikpunkt der ÖDP ist die zunehmende Belastung der Sozialversicherungen durch Leistungen, die nicht auf Beiträgen beruhen. Dazu zählen gesamtgesellschaftliche Aufgaben im Bereich der sozialen Absicherung sowie integrationspolitische Leistungen.
Die ÖDP fordert eine klare Trennung. Leistungen mit gesamtgesellschaftlichem Charakter müssen vollständig aus Steuermitteln finanziert werden.
„Es braucht Transparenz und Fairness in der Finanzierung. Sozialversicherungen dürfen nicht als Ersatzhaushalt für staatliche Aufgaben dienen“, betont Frank Schulz, stellvertretender Landesvorsitzender der ÖDP Nordrhein-Westfalen.
Geplante Maßnahmen treffen die Falschen
Die diskutierte Einschränkung der beitragsfreien Mitversicherung würde insbesondere Familien mit Kindern, pflegende Angehörige, Menschen in unbezahlter Care-Arbeit sowie Haushalte mit nur einem Einkommen treffen.
„Das ist ein Angriff auf das Solidarprinzip. Wer gesellschaftlich notwendige Arbeit leistet, darf nicht zusätzlich belastet werden“, erklärt Geibel.
Fehlanreize im System und unklare Prioritäten
Die ÖDP Nordrhein-Westfalen sieht zudem Fehlentwicklungen in der aktuellen Gesundheitspolitik kritisch. Während neue Präventions- und Früherkennungsangebote für bestimmte Risikogruppen ausgeweitet werden, drohen gleichzeitig Mehrbelastungen für andere Versicherte.
Grundsätzlich begrüßt die ÖDP Prävention und Früherkennung. Gleichzeitig fordert sie eine ausgewogene und gerechte Finanzierung.
„Es ist richtig, gesundheitliche Risiken früh zu erkennen und zu behandeln. Aber die Kosten dürfen nicht einseitig von der Solidargemeinschaft getragen werden, während gleichzeitig an anderer Stelle Leistungen gekürzt werden“, erklärt Geibel.
Verantwortung und Solidarität zusammen denken
Die ÖDP Nordrhein-Westfalen plädiert dafür, Eigenverantwortung und Solidarität stärker miteinander zu verbinden. Dazu gehören stärkere Präventionsanreize, regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen sowie mehr Transparenz über gesundheitliche Risikofaktoren und deren Auswirkungen auf die Finanzierung der Sozialkassen.
Gleichzeitig betont die Partei, dass Suchterkrankungen nicht stigmatisiert werden dürfen.
„Nikotin- und Alkoholabhängigkeit sind ernstzunehmende Erkrankungen. Prävention und Hilfe müssen im Vordergrund stehen. Dennoch darf die Frage nach einer fairen Finanzierung nicht ausgeklammert werden“, so Geibel.
Lenkungswirkung über Steuern statt Belastung der Versicherten
Die ÖDP spricht sich für eine Weiterentwicklung bestehender Steuerinstrumente aus. Höhere Verbrauchssteuern auf gesundheitsschädliche Produkte wie Tabak und Alkohol sollen eine stärkere Lenkungswirkung entfalten. Ein größerer Anteil dieser Einnahmen soll gezielt in die Sozialversicherungen sowie in Präventions- und Behandlungsangebote fließen.
„Wenn bestimmte Konsumformen hohe Kosten im Gesundheitssystem verursachen, ist es gerecht, diese stärker über Verbrauchssteuern zu finanzieren, statt die Last pauschal auf alle Versicherten zu verteilen“, erklärt Frank Schulz.
ÖDP fordert Anerkennung von Care-Arbeit
Die ÖDP setzt sich seit langem für eine grundlegende sozialpolitische Neuausrichtung ein. Im Zentrum steht die Anerkennung von Care-Arbeit als gesellschaftlich unverzichtbare Leistung.
Die Partei fordert die Einführung eines Erziehungs- und Pflegegehalts, den Ausgleich von Rentenansprüchen bei familienbedingter Teilzeit sowie eine Stärkung solidarischer Finanzierungssysteme.
„Care-Arbeit hält unsere Gesellschaft zusammen. Es ist überfällig, dass diese Leistung auch finanziell und sozial abgesichert wird“, ist der stellv. Landesvorsitzende Frank Schulz sicher.
Sozial-ökologische Steuerreform als Schlüssel
Zur nachhaltigen Stabilisierung der Sozialversicherungssysteme fordert die ÖDP eine umfassende sozial-ökologische Steuerreform. Ziel ist eine gerechtere Verteilung der Lasten.
Arbeit und Einkommen sollen entlastet werden, während der Verbrauch von Ressourcen und Umwelt stärker besteuert wird. Dadurch werden Anreize für nachhaltiges Wirtschaften geschaffen und gleichzeitig neue finanzielle Spielräume für die Sozialversicherungen eröffnet.
„Wir müssen Arbeit entlasten und Ressourcenverbrauch stärker belasten. Wer die natürlichen Lebensgrundlagen übermäßig beansprucht, muss stärker zur Finanzierung beitragen als diejenigen, die arbeiten oder für andere sorgen“, erklärt der Landesvorsitzende Geibel.
Sozialstaat sichern heißt Ursachen angehen
Die ÖDP Nordrhein-Westfalen warnt davor, mit kurzfristigen Sparmaßnahmen langfristig Vertrauen in den Sozialstaat zu beschädigen.
„Wir brauchen den Mut zu echten Reformen. Weniger Bürokratie, klare Finanzierungsverantwortung und ein System, das gesellschaftliche Leistung anerkennt statt sie zu benachteiligen“, so Frank Schulz abschließend.
